Frank und Dominik: Der erste Qualifikationsversuch für Hawaii – schafften sie es oder doch nicht?

5M3B4012Vor etwas mehr als einem Jahr konnte ich die Langdistanz in Moritzburg überraschend gut zu Ende bringen. Für mich war das der Tag an dem ich das erste Mal an Hawaii glaubte und nicht nur davon träumte. Ich war sehr bald danach in Zürich angemeldet. Es stellte sich heraus, dass sich auch Frank anmeldete, völlig unabhängig und ohne gegenseitiges Wissen voneinander. Das sollte sich insgesamt sehr positiv im Sinne der Motivation und Organisation für uns beide ergeben. Über den Ironman in Zürich hörte man vor allem, dass die Radstrecke nicht ganz einfach sei. Frank und ich wunderten uns bis zur Probefahrt auf der Strecke woran das liegen könnte. Das Streckenprofil sah machbar aus und Höhenmeter waren nicht sehr viel mehr zu überwinden als z.B. in Moritzburg. Doch dazu später mehr. Die Vorbereitung verlief insgesamt sehr gut, leider hatte ich im Mai und Juni aber doch einige Schwächephasen. Der Berufsstress zwang mich immer wieder in Erkältungen und entsprechende, kurze Trainingspausen. Doch etwa ab dem Probewettkampf in Moritzburg wurde alles langsam wieder normal und kurz danach lief das Training praktisch optimal. Scheinbar lief es noch besser für Frank, eine Woche vor Zürich konnte er seine neu gewonnene Radform beim Regionalligawettkampf in Havelberg demonstrieren. Ich bekam Sorgen um die interne Wertung Frank hatte inzwischen eine so gute Form um ebenfalls von Hawaii träumen zu können. In Zürich fanden wir uns einige Tage vorher ein. Das Erste was wir taten, war die Strecke abzufahren. Anfangs ist sie nur flach, dann wellig genau wie in Moritzburg. Wir wunderten uns noch immer… Doch dann kam „The Beast“, ein mehrere Kilometer langer Anstieg den man mit 15-17km/h fährt. Direkt danach nocheinmal so ein langer Anstieg, mit um die 20km/h herum (Jeweils WK-Tempo). Danach hatte ich doch sehr Respekt vor der Strecke. Frank freute sich immer mehr, da er auf viele Überholungen am Berg hoffte. Am Ende kam noch eine steile Rampe in Zürich selbst, die später im Rennen von sehr vielen Zuschauern gesäumt war, ganz im Spirit vom Solarer Berg oder dem Namensvetter „Heartbreak Hill“ in Frankfurt. Mit dem Checkin am Samstag Abend und den 2500 angetretenen Starter vor Ort stieg die Aufregung. Es war beklemmend, so viele Leute dabei und ich will/müsste für Hawaii unter die ersten 30-50 davon kommen. Nach einer Weile in der Stadt mit ortsansässigen Freunden von mir und eingeflogener und prominenter TVB09-Unterstützung schliefen wir alle noch für ein paar wenige Stunden. Am Sonntag morgen gingen wir zuerst nochmal in die Wechselzone, die Wechselbeutel von Regenwasser befreien und die Räder fertig vorbereiten. Das Wetter hatte sich weiter verschlechtert. Die ganze Nacht hatte es geregnet, die Straßen waren komplett nass. Die Temperatur war am Morgen nur ca. um 15Grad herum. Es rieselte und regnete auch immer noch. Für Frank war das eine schlechte Nachricht, für mich ist das Wetter sportlich super, nur die nassen Kurven in den z.T. steilen Abfahrten bereiteten auch mir einige Sorgen.

Dann wie üblich, Abschied von unseren Betreuern, meine Freundin war ja ebenfalls da, einschwimmen, warten auf den Start, zuschauen wie die Profis davonprügelten und dann selber starten. Frank startete ganz links und ich ganz rechts. Währenddessen fanden sich mein Vater mit Familie und meine Mutter aus Freiburg zur Unterstützung ein. Dazu waren die beiden Züricher/Wahlschweizer Freunde meinerseits, unser Berliner TVB Support, die Eltern und Schwester meiner Freundin und noch Freunde von mir aus Freiburg dabei. Alle wollten erleben, wie wir uns für Hawaii qualifizieren und sorgten später an der Strecke für eine super Stimmung. Wir beide hatten während des Schwimmens eine gute Wahl getroffen, es war nicht sehr eng. Bei mir fühlten sich die Arme nach 500m dann auch sehr gut an. Frank war ebenfalls zufrieden. Interessanterweise kamen wir dennoch nach mehr als einer Stunde erst aus dem Wasser. Ich wunderte mich schon, weil ich mich ja sehr gut fühlte und auch das Training gut war. Doch auch die anderen Starter und Profis waren verhältnismäßig langsam. An der Schweizer Präzision sollte es doch wohl nicht gelegen haben? War unsere Form über Nacht verschwunden? Witzigerweise stand dieses Thema tatsächlich am nächsten Morgen in der Zeitung. Der Zürichsee habe wohl oft eine signifikante Strömung. Die Strecke selbst ist so gelegt, dass man zwei mal direkt gegen diese Strömung schwimmt und nur einmal mit der Strömung von schräg hinten. Also ist auch die Schwimmstrecke als „anspruchsvoll“ einzustufen. Danach schnell in die Wechselzone laufen, die sich als nächste Unterschätzung herausstellte. Ich hatte vorher noch nie so viel Weg in einer Wechselzone zurücklegen müssen, die beiden Wechsel in insgesamt gerade unter 7Minuten sprechen da für sich. Ich wusste auch überhaupt nicht wo Frank war, bei der Masse von Starten verlor ich den Überblick komplett. Im Nachhinein erfuhr ich, dass er nicht weit hinter mir aus dem Wasser kam. Das Radfahren begann sehr gut. Das Tempo im flachen Teil war schnell und dennoch unter Kontrolle. Auch der wellige Teil war ziemlich einfach machbar, ohne dass ich mich schon ansatzweise abschoss. Die beiden langen Anstiege danach gingen ebenfalls super, nur die Abfahrten kosteten wegen der Nässe und wegen der Kurven doch Zeit – die konnte ich aber im Flachen wieder herausfahren. Nach knapp unter 2h30 war ich schon wieder an der Wechselzone und hatte ein wenig Puffer, um die gewünschten 5 Stunden zu schaffen. Frank berichtete ähnliches, ihm ging es sehr gut und er war sehr begeistert von seiner Form und der Radstrecke. Doch in der zweiten Runde hatte der Wind recht stark aufgefrischt. Er kam genau dort von vorne, wo man ihn überhaupt nur spüren konnte, sonst war er eher nicht relevant, d.h. die nächsten flachen 30km waren gegen den Wind. Dann kam der schlechte Teil des (eines jeden) Ironmans. Es hatten sich einige Hawaii-Durchgangszüge gebildet. Teilweise 30 Starter auf einer Länge von höchstens 50-100m bretterten an uns beiden vorbei. Schiedsrichter waren vorerst nicht zu sehen. Erst bei ca. 140km waren einige bei mir in der Nähe und sorgten für etwas Nervosität innerhalb dieser Gruppen. Insgesamt war ich schockiert, ich hatte das nicht mehr im Kopf, von damals in Frankfurt z.B. Die Schiris selbst hatten gar keine Chance bei der Masse der Lutscher. Ich sah meine eigenen Chancen ebenfalls schwinden. Dennoch kann ich das selbst nicht mitmachen und werde das hoffentlich nie tun. Nach einer Weile fand ich aber selbst wieder einen guten Tritt, gegen den Wind und danach in den Bergen. Das Tempo passte wieder und eine knappe 5h Zeit zeichnete sich wieder ab. Am letzten langen Anstieg war ich schon euphorisch, es war ja nicht mehr weit (ca. 150km), ich überholte einen Mitstreiter, er hielt plötzlich dagegen, wird immer schneller, ich lasse mich wieder zurückfallen, schaue nach links und habe eine schwarze Karte im Gesicht, mit dem Spruch „Schwarze Karte wegen Drafting“. Völlig perplex fuhr ich einen Moment weiter, begann dann eine kurze Diskussion – keine Chance. Ich war direkt richtig angepisst und frustriert. Das bedeutete 6Minuten in der Penalty Box. Hawaii war für mich sofort gegessen, ich wollte aufhören. Ich fuhr aber erstmal etwas langsamer weiter. In der nächsten Verpflegungszone nach der Penaltybox umgeschaut, sogar kurz angehalten und nachgefragt. Nichts. Weiter gefahren. 10 Minuten später war ich wieder im Tritt, warum? Vielleicht Resthoffnung, wegen der ca. 15 extra für uns anwesenden Fans, Schock, wer weiß? Prompt fuhr ich an der nächsten Penaltybox vorbei, Notbremsung, Rückwärtslaufen, 6 Minuten abgewartet. Das Ganze fand direkt auch noch vor meinen Leuten statt, die wollte ich zu dem Zeitpunkt gar nicht sehen. Es gab dann natürlich aufmunternde Worte, wollte ich aber auch nicht hören. Naja, ich fuhr dann die letzten 10km weiter, die Beine waren natürlich aber für ein paar Minuten erstmal wieder kalt. Es wurde dann eine 5h10 Radzeit, schade. Ich begegnete Frank an derselben Stelle wie in der vorigen Runde, er erzählte mir später, dass er sich gewundert habe, warum ich scheinbar Tempo verloren hatte und auch nicht mehr zurückwinkte – sorry. Dann ging es auf die Laufstrecke, so langsam war ich wieder ganz gut drauf, mental. Ich wollte dann wenigstens eine Laufshow bieten und mit ein wenig Resthoffnung auf Hawaii wurde das ein sehr guter Beginn. Ich freute mich an all den Lutschern vorbei zu ballern. Das Anfangstempo deutete auf einen 3h Marathon hin, mir war klar, dass das nach hinten los gehen kann. Nach den letzten Jahren war mir aber auch klar, dass ich bestimmt nicht voll einbreche, ich hatte z.B. bisher nie Magenprobleme und die Erschöpfung konnte ich bisher immer ganz gut wegstecken. Das „Risiko“ lag für mich dann also höchstens darin, dass ich vielleicht auf 3:15-20 zurückfalle. Jedesmal bei unseren Leuten machte es mir wieder mehr Spaß und ich genoss den Wettkampf nun wieder richtig. Auch die anderen Zuschauer waren super drauf und feuerten alle Teilnehmer an. Daphne hatte einen heißen Draht nach Berlin, zu Marco, der sie fast im 15-Minutentakt mit Platzierungsinformationen versorgen konnte (er sortierte sogar manuell die Athleten nach AK, da der entsprechende Service nicht gegeben war). Ich hatte, nach einer von 4 Runden, etwa einen Rückstand von 15 Minuten auf AK-Platz 5, den letzten direkten Qualifikationsplatz. Mit etwas Glück war das machbar. Auch sind die AK-Plätze 6,7,8 noch was wert, als mögliche Nachrückplätze. Ich sah Sonja Taisich immer wieder an den gleichen Stellen und konnte dann ab Runde 3 richtig Meter auf sie gutmachen (Sie war dazu ja noch 5 Minuten vor mir gestartet). Da sie eigentlich auch mal einen 3h Marathon läuft, motivierte mich das zusätzlich. Meinen Lauftiefpunkt insgesamt erreichte ich Ende der zweiten Runde, aber nicht lange. Mit etwas zu Kauen ging es bald wieder gut, nur einen Tick langsamer. Am Ende wurde dann ein 3h11 Marathon daraus. Ich genoss den Zieleinlauf und war überglücklich meine 3. Langdistanz in einer immernoch guten Zeit beenden zu können, gerade bei den doch schwierigeren Streckenumständen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass ich an dem Tag auch noch Besetzungspech hatte. Mit meiner Endzeit von 9h28 landete ich auf dem AK Platz 16 (Gesamt 45), in den anderen Altersklassen war die Leistungsdichte deutlich geringer. Der wichtige Platz 5 war etwa 15Minuten vor mir, da hatte sich wohl auch noch ein Wechsel ereignet. Die Plätze 6-10 aber lagen „nur“ 10 Minuten vor mir und das ist im Nachhinein doch wieder frustrierend. Das wäre vielleicht tätsächlich drin gewesen. Frank ging es zu dem Zeitpunkt leider immer schlechter. Per Streckenfunk wurden Magenprobleme durchgegeben. Nach seiner guten Schwimmzeit und für uns alle vor ein paar Monaten für ihn noch nicht vorstellbaren Radzeit von 5h17, war er vielversprechend ebenfalls auf einem 3h Marathonkurs. Ab Runde 2 aber ging es wohl dann langsam los, inkl. immer wieder zwingender Geh- und Toilettenpausen. Er biss aber durch und beendete seine erste Langdistanz in einer Zeit von 10h04 und den Marathon immernoch in einer Zeit von etwa 3h30. Mit einer 3h00-10 Marathonzeit wäre er in seiner AK tatsächlich sogar ganz nah oder wirklich schon auf Hawaii gewesen – sehr schade! Es wurde AK-Platz 44 draus, auch noch sehr gut. Die Zeit danach war sehr schön, wir erholten uns in Zürich, erzählten die üblichen (Triathlon-) Geschichten, hörten viele schweizer Anekdoten aus dem Leben 2er zugezogener Deutscher und freuten uns über unsere Finishs. Ich habe nun eine Gelegenheit bekommen, mich noch besser auf den nächsten Qualiversuch vorzubereiten, um mich damit auf einem direkten Qualifikationsplatz hoffentlich irgendwann zu bewähren. Wann und wo? Das weiß ich noch nicht. Aber nicht sehr lange in der Zukunft, hoffentlich 🙂 Frank hat sich von dem etwas enttäuschenden Gefühl im Ziel erholt und ist nun auch glücklich über ein immernoch sehr gutes erstes Mal. An dieser Stelle vielen, vielen Dank an meine Freundin, die die Haupt-Knipse war, 3 verschiedene Familien im Wechsel zu bespaßen hatte, sich fachmännisch mit meinen Freunden unterhalten und erklären musste und an der Laufstrecke nach geplanter aber verpasster Gel-Übergabe im Kalten (Jacke vergessen) auf die nächste Runde warten musste (Meine kleine 8-jährige Schwester half ihr aber dabei und war dann ganz stolz auf ihren Bruder), an den heißen Draht ins Web, Marco, an die anderen, die extra die Reise auf sich genommen hatten, um uns anzufeuern und ebenfalls viele Bilder zu schießen und an alle anderen, die das z.B. auch im Web oder generell interessiert mitverfolgt haben. Bis irgendwann bald im Training oder beim BT-XL, Dominik

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2 Kommentare zu “Frank und Dominik: Der erste Qualifikationsversuch für Hawaii – schafften sie es oder doch nicht?
  1. Sebastian Kurt sagt:

    Ein weiterer Bericht der die Faszination wiedergibt, Danke Dom. Gratulation euch beiden! Freue mich auf gemeinsame weitere Kilometer.

  2. Schatti sagt:

    Toller Bericht und tolles Rennen. Die schwarze Karte ist ja echt der Hammer, vor allem weiß jeder der dich kennt, dass du nicht lutscht. Wenn man dann durch so einen Idioten rein gerissen wird…. Hatte es in Roth ähnlich mit den Gruppen, aber da waren die Kampfrichter echt hinterher und haben genau geschaut wer das macht.
    Es klappt bestimmt beim nächsten mal, du bist ja noch jung 🙂

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